Nach dem Erwerb des Binnenscheins und dem Kauf meines Katamarans begann ich nahtlos mit der Ausbildung zum schweizerischen Hochseeschein. Die theoretische Prüfung bestand ich erfolgreich, und die geforderten 1000 Seemeilen Praxiserfahrung absolvierte ich mit Begeisterung unter Teilnahme an reinen Ausbildungstörns und anderen Törns in anspruchsvoller Umgebung und mit herausfordernden, lehrreichen Inhalten.
Mein erster Törn führte mich von Ciutadella an der Westküste Menorcas entlang der Nordküste von Menorca nach Mahón, bevor wir eine Überfahrt, inklusive zwei Nächten im Wachsystem, nach Sardinien machten und entlang der Küste bis nach Cagliari, die Stadt ganz im Süden von Sardinien segelten. Dann folgten mehrere Segeltörns, im weitläufigen Inselreich von Kroatien. Doch schon bald zog es mich in die nördlicheren Gewässer des Vereinigten Königreichs, Irlands und in die Nordsee von Frankreich, der Niederlande und Deutschlands. Während zwei einwöchiger Törns als Crewmitglied auf einer ehemaligen 53-Fuss-Rennyacht, die einst am legendären Fastnet Race teilgenommen hatte, sammelte ich erste Erfahrungen mit sportlich ausgerichtetem Segeln, mit dem Segeln in Tidengewässern mit starker Strömung und bei deutlich raueren Bedingungen als ich es bisher erlebt hatte.
Wir segelten dabei im Wachsystem mit nur wenigen Stopps – 620 Seemeilen legten wir in einer Woche zurück. Teilweise herrschten Windverhältnisse von konstant über 30 Knoten , mit Böen von gut 40 Knoten und mehreren Metern hohen Wellen, die uns Tag und Nacht begleiteten. Das Schiff lief dabei sicher und schnell, schob sich kraftvoll durch die Wellen und über die See. Diese Erfahrung zeigte mir, dass sicheres und zugleich schnelles Segeln auch unter anspruchsvollen Bedingungen möglich ist – mit der richtigen Vorbereitung, einem seetüchtigen Schiff und einer engagierten Crew.
Diese Erlebnisse haben mich nachhaltig geprägt. Wenn es heute auf meinen eigenen Törns etwas ruppiger wird, weiss ich: Ich habe das schon erlebt – und ich weiss, wie man damit umgeht. Natürlich suche ich extremes Wetter nicht – kein verantwortungsvoller Skipper tut das. Doch das Meer bleibt unberechenbar: ein paar Knoten mehr Wind, ein paar Meter höhere Wellen als vorhergesagt – und schon wird es spannend.
Mit Respekt vor den Naturgewalten, fundierter Ausbildung und sorgfältiger Planung lassen sich solche Herausforderungen meistern. Und es kann sogar richtig Spass machen – auch wenn es anstrengend ist. Es sind genau diese gemeisterten Situationen, die mir im Gedächtnis bleiben und mich als Segler und Mensch wachsen lassen.
Besonders erfüllt mich die Möglichkeit, meine Begeisterung fürs Segeln mit Gleichgesinnten zu teilen – mein Wissen über gute Seemannschaft weiterzugeben und im Gegenzug von ihren Erfahrungen zu lernen. Ob beim Unterrichten der Segelschülerinnen und -schüler einer Zürcher Segelschule oder auf privaten Törns mit seaexplorer.ch: Jeder Moment auf dem Wasser ist für mich eine Gelegenheit, zu wachsen und die Leidenschaft fürs Segeln zu leben.
Meine Sterna (hirundo) und ich im Vordergrund an einer Happy Cat Regatta, auf dem Traunsee in Österreich.
Mein Lieblingsort auf einer Segelyacht - mal sitzend, mal liegend
nur Steuern macht noch mehr Spass
Beim Segeln immer gut gelaunt. Oder?
Eigentlich wusste ich schon in der Primarschule, dass ich eines Tages Kapitän – heute sagt man: Skipper – sein möchte. In die Freundschaftsbücher meiner Klassenkameraden schrieb ich beim Feld „Traumberuf“ konsequent: Kapitän.
Seit meiner ersten Erinnerung ans Meer – mit vier Jahren, damals in Jugoslawien und später auf Korsika – hat mich die Sehnsucht danach nie wieder losgelassen. Was mich am Meer von Anfang an am meisten fasziniert hat, waren die Wellen. Diese ungestüme Naturkraft, majestätisch und unberechenbar. Ihre Größe, ihre Bewegung, ihr Rhythmus, ihre Schönheit – das lässt sich kaum in Worte fassen. Man muss es erleben, um es wirklich zu verstehen.
Und doch sollte es noch einige Jahrzehnte dauern, bis ich meinen Kindheitstraum in die Tat umsetzte. Seit 2022 bin ich nun im Besitz der nötigen Scheine – und seitdem so oft wie möglich auf dem Wasser unterwegs. Am liebsten auf dem Meer, aber auch auf dem See mit meiner Sterna, einem Katamaran, der mir das Segelgefühl in kompakter Form schenkt.
Stationen in meinem Leben, nach der Sekundarschule:
Ein Leben ist doch eigentlich viel zu kurz für all die spannenden Dinge, die man erleben kann - deshalb komme ich auch immer wieder für ein neues.
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